Zeitraum, Personen und Umfeld

Der als "Würzburger Totenzettel" erfaßte Bestand reicht mit den Geburtstagen der Verstorbenen in die 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück. Der frühest genannte Geburtstag fällt in das Jahr 1647, der spätest verzeichnete in das Jahr 1891. Bei den Todesdaten liegt der Beginn natürlich später. Das früheste Todesdatum ist das Jahr 1672, das letzte wird durch das Jahr 1954 markiert, wobei die große Masse der Totenzettel mit dem 1. Weltkrieg endet. Schwerpunkt bilden das 18. und 19. Jahrhundert.

Der Personenkreis ist gekennzeichnet durch seinen Bezug zu Würzburg. Insgesamt 797 Geburtsorte sind verzeichnet. Bei 1630 Personen wird Würzburg als Geburtsort vermerkt, die nächst häufigen Geburtsorte sind Kitzingen (48), Bamberg (46), Karlstadt (36), Marktheidenfeld und Ochsenfurt (beide je 33); bei 3837 Personen nennt der jeweilige Totenzettel Würzburg als Sterbeort, gefolgt von München (92) und Kitzingen (13). Gesamtzahl der Sterbeorte: 238. Selbstverständlich sind auch einige Persönlichkeiten verzeichnet, die weder durch Geburts- noch durch Sterbeort einen Bezug zu Würzburg besitzen. Aber das ist ein kleiner Kreis von Personen, der das Gesamtbild der Totenzettel, das in der Stadt Würzburg geborene bzw. verstorbene Bewohner vor Augen führt, praktisch nicht beeinflußt.

Die Berufe oder Beschäftigungen der Verstorbenen wurden in 16 Berufssparten erfaßt, wobei nicht selten Mehrfachzuordnungen notwendig waren, weil im Laufe des Lebens verschiedene Berufe ausgeübt wurden. An erster Stelle steht die Berufssparte Verwaltung/Rechtspflege (866), gefolgt von Kirche (684) sowie Handel und Gewerbe (357). Bei den Verwandten oder Hinterbliebenen geschah diese Zuordnung fast 2000 mal. Hier ergab sich eine teilweise andere Reihenfolge. Zwar steht auch hier die Berufssparte Verwaltung/Rechtspflege an der Spitze, sie wird jedoch gefolgt vom Handwerk bzw. Militär sowie von Handel und Gewerbe.

Untersucht man die Totenzettel im Hinblick auf die soziale Schicht, der die Verstorbenen angehörten, begegnet man anfänglich vornehmlich Personen aus den sogenannten besseren Kreisen. Erst allmählich tauchen auch Fuhrleute, Taglöhner oder Diener auf. Sie blieben jedoch bei weitem in der Minderzahl. Die Häufigkeit der Totenzettel nimmt ab, je mehr man sich den unteren sozialen Schichten nähert. Für die allermeisten dieser Schichtenangehörigen gab es überhaupt keine Totenzettel. An welchen Krankheiten sind die Menschen gestorben? Exakt läßt sich diese Frage nicht beantworten. Zahlreiche Totenzettel enthalten keine Aussage über die Todesursache des Verstorbenen. Bei denjenigen aber, die sich insoweit äußern, konnten insgesamt 260 verschiedene Bezeichnungen von Todesursachen festgestellt werden. Dabei mag in Rechnung gestellt werden, daß nicht selten die nämliche Todesursache unter verschiedenen Namen auftritt. Man wird auch davon ausgehen müssen, daß bisweilen aus Pietätsgründen eine verschleiernde Formulierung gewählt wurde und daß die Krankheitsangaben an den Drucker von Laien stammten. Exakte Angaben sind hier keine Selbstverständlichkeit. Soweit die Totenzettel jedoch verwertbare Aussagen über die jeweilige Todesursache machen, lassen sich konkretere Erkenntnisse gewinnen. Danach starben die meisten an Brustkrankheiten, wobei hier Herzkrankheiten mit eingeschlossen sind, gefolgt von Altersschwäche/Entkräftung, Lungenerkrankungen und Schlaganfällen. Seltene Todesursachen waren beispielsweise Blattern, Masern und Scharlach, die Bright´sche Krankheit, Darrsucht (Abmagerung) oder Gesichtsrose.

Für die Trauergottesdienste stellte sich in der Stadt Würzburg als die mit Abstand beliebteste Kirche der Dom heraus, gefolgt von den Pfarrkirchen St. Peter und Stift Haug. Am wenigsten wählte man die Universitätskirche, die Hofspital- und die Hofkirche sowie die Marienkapelle. Sie waren keine Pfarrkirchen. Selten erscheinen auf den Totenzetteln die Druckorte. Nur insgesamt 37 werden genannt. Mit Abstand an der Spitze steht natürlich Würzburg (579), danach kommen München (13), Kitzingen und Passau (je 10). Diese Dominanz von Würzburg erlaubt auch einen Blick auf die Druckereien, die sich durch die Herstellung der Totenzettel ein Zubrot verdienten. Die Druckerei von Friedrich Ernst Thein machte mit Abstand das Hauptgeschäft, mit großem Abstand folgten die Betriebe von Bonitas-Bauer, Joseph Steib, Hellmuth und Carl Anton Zürn. Viele Druckereien änderten übrigens im Laufe der Jahre ihre Betriebsbezeichnungen, so daß auch unter dem Gesichtspunkt der Namensgebung ein interessanter Einblick in die Geschichte des Würzburger Druckereiwesens möglich wird.