Trauerdevisen

Im 18. Jahrhundert beginnt die Todesnachricht häufig mit der Anrufung von Jesus, Maria und Joseph, die jeweils durch ein Kreuz getrennt werden. Bei Ordensangehörigen kann als vierte Person noch der Ordenspatron hinzugefügt sein. Gelegentlich finden sich auch nur drei einfache Kreuze. Dieser Brauch verliert sich im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, wobei er in Einzelfällen, vor allem bei Angehörigen aus dem höheren Klerus, später gelegentlich wieder aufleben kann. Ab den 20er Jahren des 19. Jahrhundert tritt für etwa 3 Jahrzehnte ein neues Element in den Totenzetteln auf: die Anbringung von Trauerdevisen, die im Trauerrand eingebettet sind. Geprägt von christlichen Vorstellungen, die von einer Versammlung aller Erlösten im Paradies ausgehen, erscheint auf zahlreichen Totenzetteln das Wort "Wiedersehen", so in der Devise "Nach kurzer Trennung folgt ewiges Wiedersehn" oder "Wir werden alle auferstehen und einander wiedersehen". Das Paradies vermutete man übrigens "oben": "Wem hier zur Ruh sein Aug‘ fällt zu, der preist ihn künftig oben". Weitaus variantenreicher waren jene Devisen, welche die Verheißung ewiger Seligkeit und den Lohn irdischer Mühen artikulierten. "Nach kurzer Prüfungszeit folgt sel´ge Ewigkeit", "Selig sind, die in dem Herrn entschlafen" oder "Ein Herz voll Gottes- und Menschenliebe, schlug Edler! hier in Deiner Brust; nun erntest Du, was Du hier ausgesäet, in ungestörter reiner Himmelslust". In die gleiche Richtung, nämlich in die Erwartung eines ungetrübten Lebens, zielen "Tränen hier, Freude dort", "Nach harter Leidenszeit, folgt selige Ewigkeit", "Heiter und leicht ist der Tod des Gerechten, groß ist sein Lohn". Die Gewißheit, am Jüngsten Tage einst aufzuerstehen und in Gottes Reich einzuziehen, läßt sich aus den Worten spüren "Ja, ja, mein Leib wird leben, wenn mich mein Heiland ruft. Heil mir, ich darf nicht beben, beim Anblick meiner Gruft". Den Tod als Voraussetzung für das ewige, das wahre Leben beschwören Devisen wie "Zum Sterben war das Leben uns gegeben und was der Tod uns gibt, das ist das wahre Leben" oder "Durch den Tod gehen wir ein in das ewige Leben". "Der Christ muß sterben, um Gottes Reich zu erben" und "Wir sterben, um ewig zu leben" umschreiben in weiteren Varianten die nämliche Verheißung. Unabhängig von Erwartungen dieser Art präsentieren sich die Devisen "Das ist das ewige Leben, daß sie Dich erkennen und den Du gesandt hast, Jesum Christum", "Es kommt die Stunde, wo alle, die in den Gräbern sind, die Stimme Gottes hören und hervorgehen werden" (Joh. 5,28), oder gereimt "Beim Herrn steht Tod und Leben, drum wird einst jede Gruft die Toten wieder geben, wenn seine Stimme ruft". "Ewiger Friede sei mit dem verklärten Geiste", "Christus ist mein Leben und Sterben, mein Gewinn" und "O Maria! ohne Sünde empfangen. Bitte für sie, die ihre Zuflucht zu Dir genommen hat" gehören gleichfalls in diesen Zusammenhang. Der Tod als Zustand des Schlafens oder des Ausruhens von den Mühen und Lasten der irdischen Existenz artikuliert sich bei den Worten: "Gute Nacht, meine Wallfahrt ist vollbracht! Paradieses-Ruh in Frieden, Säuseln um den Leidens-Müden! Tod! wo ist nun deine Macht? Gute Nacht!" und "Gute Nacht! Lebet wohl, die ihr noch wacht. Nicht so traurig, meine Freunde! Liebe, die uns hier vereinte, überlebt des Grabes Macht. Gute Nacht!". Trost ganz allgemeiner Art spendeten "Kostbar ist der Tod der Gerechten", "Was Dir durchs Leben geholfen, macht Dich unsterblich zugleich", "Glücklich, wer den Lauf vollbracht und den Glauben bewahret hat" sowie "Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben". Ohne tröstende Aussage gibt sich allerdings das Zitat "Aufblühen und Staub werden, ist des Menschen Los". Beim Tode von Frauen findet sich gelegentlich die Devise: "Eine treue Gattin, eine liebe Schwester, eine gute Mutter, eine treue Tochter".