Die Totenzettel als Quelle

Die Totenzettel sind keine Urkunden. Wer immer sich mit genealogischen- und/oder prosopographischen Forschungen beschäftigt, wird in erster Linie die Kirchenbücher sowie die Zivil- und Personenstandsregister beiziehen. Sie besitzen Urkundenqualität. Ergänzend dazu können jedoch auch die Totenzettel hilfreich sein; auf sie wird man zurückgreifen, wenn andere Quellen nicht vorhanden oder nicht zugänglich sind. Dabei kann man innerhalb des Totenzetteltextes wohl von einer unterschiedlichen Aussagequalität ausgehen. Die Lebensdaten sind sicherlich kaum verfälscht, aber - wie handschriftliche Verbesserungen zeigen - gelegentlich falsch gedruckt (Zahlendreher, Zahlenverwechslungen u. ä.). Man muß auch mit Nachlässigkeiten oder bisweilen auch mit der Unkenntnis der Hinterbliebenen rechnen, die den Totenzettel in Auftrag gaben und damit für dessen Formulierung die Verantwortung trugen. Bei den Charakterzeichnungen des Verstorbenen und der Schilderung seiner Lebensführung wird man allerdings zurückhaltender sein müssen, weil man eben über den Verstorbenen nur Gutes zu Papier bringen wollte. Insofern ist eine im Einzelfall abwägende Auswertung der Personalquelle angezeigt, die mit Umsicht jenes herausfiltert, was ungeschönt ist.

Totenzettel können jedoch noch für weitere Gebiete ein lohnendes Objekt darstellen. So für die Sozial- und Bevölkerungsgeschichte sowie - mit gewissen Abstrichen - für die Medizingeschichte. Auch volkskundliche Fragestellungen, Probleme der Frömmigkeits- und Mentalitätsgeschichte lassen sich durch sie beantworten. Nicht zuletzt wird auch die sepulkralgraphische und drucktechnische Entwicklung an ihnen ablesbar.