Die Eigentümer

Unter den "Würzburger Totenzetteln" sind drei Bestände zusammengeführt: Die Totenzettel der Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte, die als Depositum in der Universitätsbibliothek Würzburg liegen sowie der Bestand der Universitätsbibliothek Würzburg selbst. 279 Totenzettel der Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte sind zu einem Buch gebunden. Im übrigen sind beide Bestände der Größe nach sortiert und werden lose in entsprechenden Kassetten verwahrt. Der dritte Bestand, die dem Stadtarchiv Würzburg gehörenden Totenzettel, befinden sich dort in den jeweiligen Personalakten.

Die Totenzettel wurden von den vorgenannten Eigentümern gesammelt oder gelangten auf andere Weise in deren Besitz. Bei den Freunden Mainfränkischer Kunst und Geschichte war das der Historische Verein, aus dem sich nach dem 2. Weltkrieg zusammen mit zwei weiteren Vereinen die Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte gebildet haben. Hier läßt sich die Sammeltätigkeit noch ganz gut nachvollziehen. Aus den alten Jahresberichten des Historischen Vereins sind die Büchergeschenke der Mitglieder zu entnehmen. Beispielsweise erhielt der Verein im Jahre 1837 ein Faszikel Totenzettel von Professor Dr. Heinrich Franz Ludwig Lippert, der an der Universität Würzburg Polizeiwissenschaft lehrte und bis 1839 als Beisitzer im Vereinsausschuß wirkte. 15 Jahre später ein ähnlicher Vorgang. Domprediger Dr. Franz Xaver Himmelstein übergab 1852 seine gesammelten Totenzettel dem Historischen Verein, in dessen Mitgliederlisten er von 1848 bis 1887 zu finden ist. 1862 steuerte Domkapitular Franz Ludwig Wickenmayer, der ab 1845/46 bis 1878 als Beisitzer des Vereinsausschusses fungierte, einen Band Leichenzettel aus den Jahren 1703 bis 1754 bei. Auf einer Anzahl von Stücken sind die Adressen von Mitgliedern bzw. Funktionären des Vereins verzeichnet. So beispielsweise Domkapitular/Domdechant Ignaz Joseph Ruland, der 1836/37 als damaliger Kaplan in Lohr dem Verein beitrat und ihm bis zu seinem Tode 1890 die Treue hielt; oder Dompropst/Generalvikar Dr. Jakob Ritter von Kühles, der von 1862 bis 1901 als einer der Konservatoren dem Verein diente. Ihnen wurden die Todesnachrichten übersandt, die sie dann dem Historischen Verein überantworteten. Wahrscheinlich wurde ein Anzahl von Totenzettel dem Verein auch unmittelbar übersandt. Auf ähnliche Weise sind die Totenzettel wohl den beiden anderen Eigentümern zugegangen bzw. wurden sie von diesen gesammelt. So bildet den Grundstock der Sammlung der Universitätsbibliothek eine Schenkung von Karl Heffner aus dem Jahre 1851.

Der mit Abstand umfangreichste Bestand gehört den Freunden Mainfränkischer Kunst und Geschichte. Es handelt sich um 3678 Exemplare, darunter 147 Mehrfertigungen, die in 3534 Bestandsnummern aufgenommen wurden. Die Universitätsbibliothek Würzburg verfügt über 414 Exemplare, darunter 96 Mehrfertigungen, so daß sich 318 Bestandsnummern ergaben. Aus dem Stadtarchiv Würzburg schließlich wurden 1048 Stück bearbeitet, unter Abzug von einer Mehrfertigung ergaben sich 1047 Bestandsnummern. Insgesamt also 4899 Bestandsnummern bei 5140 Exemplaren. Das ist eine respektable Anzahl, es sind aber mit Sicherheit nicht alle Totenzettel, die in Würzburg vorhanden sind. Diese 4899 Bestandsnummern bedeuten nicht, daß auch 4899 Personen verstorben sind. Das hat mehrere Gründe: Bei manchen Verstorbenen gibt es Totenzettel in verschiedenen Sprachen: Angehörige aus dem kirchlichen Bereich ließen bisweilen ihre Totenzettel in Latein und Deutsch abfassen und auch mit unterschiedlicher Grafik schmücken. Außerdem finden sich in den Beständen der drei Eigentümer mehrmals zwar die gleichen Totenzettel, die aber wegen ihrer unterschiedlichen Provenienz getrennt aufgenommen werden mußten. Das gilt auch für Mehrfachfertigungen, die in dem eingangs erwähnten Buch zusammengebunden sind und in keine Kassette eingeordnet werden konnten. Schließlich sind auch vom nämlichen Verstorbenen Totenzettel unterschiedlicher Größe überliefert; sie wurden offensichtlich beschnitten, präsentieren sich heute mit divergierenden Maßen und befinden sich - da sie der Größe nach sortiert wurden - in verschiedenen Kassetten. Sie alle wurden mit je einer eigenen Bestandsnummer versehen.

Mit anderen Worten: die Anzahl der Verstorbenen liegt unter der Bestandszahl von 4899. Rechnet man aber die auf einem Teil der Totenzettel mit Namen aufgeführten 1820 Verwandten (Hinterbliebenen) mit hinzu, dann ergibt sich ein Personenkreis von etwa 6500 Personen, die erfaßt wurden.

Damit steht ein beeindruckender Fundus an Personen bzw. personengebundenen Daten zur Verfügung, der für Recherchen der verschiedensten Zielrichtungen von Interesse sein dürfte.